Die Flüsse von London

Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London

Eine erfrischend originelle Lektüre für Leser, die Krimis und  Fantasy mögen – und für Fans von Terry Pratchett.

Eine der goldenen Regeln der Fantasy lautet: Schaffe Regeln für die Welt, die du erbaust (das Setting oder besser: die Story World), und erwecke diese Welt mit erzählenswerten, eindrucksvollen Details zum Leben.

Ben Aaronovitch erfüllt diese Voraussetzungen meisterhaft. Vor allem auch deshalb, weil er sprachlich wahnsinnig begabt und überragend fantasievoll ist. Gewürzt mit Ironie, britischem Understatement und der Fähigkeit zu emotionaler Distanz (was man zugegeben bei den Briten seit diesem Brexit- und Hasswahl-Jahr vermisst), bewahren sich Die Flüsse von London die Kühle eines Krimis unter dem Feuerwerk einer Fantasy-Welt, die harrypotteresk direkt hinter dem realen London lauert und in den Eigenheiten der bevölkernden Figuren an die Scheibenwelt erinnert.

 

Aus der Autorenstube über den Konferenzsaal zum Dinnertisch

Ob als Autorin oder Geschichten-Liebhaber, Kommunikationsfachfrau, Unternehmer, Teambuilder, als Dinner-Gastgeberin oder einfach nur als Mensch, der neugierig auf das Leben ist  – Story-Prinzipien erweitern in vielen Bereichen unseren Horizont und ermöglichen uns, uns besser, zielführender und tiefer mitzuteilen.

Story-Prinzipien in Kunst

Meine ersten Romane habe ich mit Instinkt geschrieben – bewaffnet mit Übung im Schreiben, Vorstellungskraft und der Lektüre hunderter Romane in meinem Genre. Viele erfolgreiche Schriftsteller haben keinerlei Bücher zu den Prinzipien des Geschichten Erzählens gelesen, bevor sie zum Stift griffen, und sie haben Großes geschaffen. Wenn ich auf meine eigenen Romane schaue, fallen mir jedoch Aspekte auf, wo ich es hätte besser machen können, hätte ich auf Handlung, Themen und Charaktere bewusster – mit den Augen eines Story-Experten – geblickt. Hätte ich bei der Entwicklung meiner Geschichte die richtigen Fragen gestellt.

Mit den Grundprinzipien, aus denen gute Geschichten wachsen, lernen wir, die richtigen Fragen zu stellen. Wir verstärken unsere Schaffenskraft, die Fantasie und Intuition mit handfesten Kenntnissen und Fertigkeiten vereint. Storytelling-Grundsätze ermächtigen uns als Verfasser zu wissen, was wir tun, und als Publikum zu verstehen, warum eine Geschichte uns gefangen nimmt. Sie bringen uns bei, auf neue Art zu denken.

… und außerhalb

In Marketing & PR
Professionelles Storytelling hilft uns im Beruf, wenn wir Menschen überzeugen, ihnen etwas vermitteln oder unsere Arbeit oder  Produkt verkaufen wollen. Egal ob Investorengespräche, in der Öffentlichkeitsarbeit und Politik oder in der Werbung: Kommunikationsexperten und Unternehmen nutzen Story-Prinzipien für ihre Zwecke.

In Teams & Business
Sich kennen lernen. Erfahren, was man gemein hat. Verstehen, was die eigene Firma tut und warum sie es tut. Was tun wir, wer sind wir? Klarheit in den Werten und der eigenen Corporate Identity. Lernen aus Krisen, Konflikten und gelebten Lösungswegen. Eine klare Kommunikation, in der sich Kunden und Mitarbeiter wiedererkennen. Egal ob in Start-ups oder eingespielten Teams.

In Gesellschaft
Story-Prinzpien ermöglichen uns, fundiert über Filme, Bücher oder andere Werke zu reden. Gleichzeitig ermächtigen sie uns, uns selbst, unsere Erfahrungen und Werte, wirkungsvoller mitzuteilen.  Die besten Gespräche sind die, in denen wir bedeutungsvolle Momente teilen und etwas Wahres über uns oder die Welt erfahren: ein Moment, in dem wir im Scheitern etwas Bedeutsames erkannten, unsere Familiengeschichte, Biographie, unsere Erfahrungen aus Forschung und Arbeit. Story trainiert uns, auf eine Art zu denken und zu kommunizieren, die mehr Tiefe schafft. Und damit oft auch mehr Nähe.

Im Inneren
Ein schärferer Blick für das, was zählt: Story beschäftigt sich mit Wandel und wie und warum er stattfindet. In Geschichten arbeiten wir nicht mit eindimensionalen Leben. Es ist multidimensional, es ist kondensiert, es ist holistisch …
Ich weiß nicht, ob wir durch Story klüger werden. Aber vielleicht etwas weiser.

Was ist es? – Genre & Story-Entwicklung

Es ist die schwierigste Zeit in meinem Autoren-Dasein: das „Herumrechnen“ an einer Romanidee. Funktioniert sie? Geht sie auf? Ist es spannend? Und vor allem: Was ist es?

Das ist keine Frage, die ich in den ersten Momenten, in denen sich eine Idee festzusetzen beginnt, beantworten könnte. Eine Saat ist gepflanzt, aber ob daraus ein Ahorn wird, ein Himbeerstrauch oder ein Grashalm ist noch völlig offen. Und das ist gut so. Denn sich zu früh festzulegen, hält die eigene Schaffenskraft unter einem Deckel.

Die ersten Schritte

Ich fange also an, rund um meine auslösende Idee eine Geschichte zu basteln. Grobe Plot-Bruchstücke tauchen auf. Figuren sammeln sich um meinen Protagonisten und gewinnen eine gewisse Kontur. Die Idee eines Themas, aus dem sich der rote Faden entwickelt, der die Geschichte zusammenhält, entsteht. – Das alles nicht unbedingt in dieser Reihenfolge je nachdem, was die ursprüngliche Idee ausgelöst hat. Doch egal, womit ich angefangen habe, recht bald stelle ich die Frage:

Um wen geht es?

Hilfreich ist dabei die Übung, den folgenden Satz zu vervollständigen: „Es geht um einen Mann, der …“
Z.B.: „Es geht um eine junge Keltin, die Seelen sehen kann und deren Gabe ihr von den Druiden geneidet wird.“ (Die Druidin)

Und dann, weitergedacht:
Was will diese Person? Was sucht sie?
Und was stellt sich ihr entgegen?

Was ist es? – Genre

In diesem Stadium der Story-Entwicklung tendieren verschiedene Varianten der Story in verschiedene Richtungen, je nachdem, worauf ich mein Augenmerk lege und wie ich die Hauptfiguren und ihre Bedürfnisse gestalte. Habe ich zwei Protagonisten, deren Leben sich verändert, weil sie zu einander finden? Wird es eine Liebesgeschichte? Oder ist es doch eher ein Road Trip, ein Reifungsplot, in dem der Protagonist „erwachsen“ wird, und die Liebesgeschichte ist nur die B-Story, sprich eine Nebengeschichte?

Es ist ganz normal, hier erst einmal in die Irre zu laufen. Ich habe die Geschichte, an der ich momentan arbeite, einmal grob bis zum dramatischen Ende gedacht. Ich dachte, es sei eine Liebesgeschichte. Dabei hatte ich jedoch schon die ganze Zeit das vage Gefühl, dass meine weibliche Hauptperson nicht wirklich zu einer klassisch romantischen Liebesgeschichte passt, und dass der Spannungsbogen des Ganzen zu flach, die Geschichte streckenweise banal ist. Ich hatte einen gefährlichen Moment in der Story-Entwicklung erreicht.

An diesem Moment kann einem ein Buch über Genre helfen. Vor allem wenn es wie Save the Cat goes to the Movies von Blake Snyder Genre nicht nach Tonalität (Komödie, Tragödie…) definiert, sondern nach Inhalten, Story-Mustern. Ich schaute mir an, was schreibe ich hier eigentlich? Welche Story-Muster bediene ich? Und was würde ich gerne schreiben? Ich entschied, die Liebesgeschichte ist lediglich die B-Story. Zwar ändern sich meine Protagonisten durch den jeweils anderen, aber für meinen Helden ist die Heldin nicht der Hauptgrund, aus dem heraus er sich entwickelt, reift, verändert. Anders ausgedrückt: Es dreht sich nicht nur um die Frau. Mein Haupt-Plot ist etwas anderes.

Eine gute Frage für jeden Autor – evtl. noch bevor überhaupt eine Idee gewälzt wird –ist hier: Was ist eigentlich mein Lieblingsgenre? Welche Arten von Geschichten lese/schaue ich mir am liebsten an?

Story-Entwicklung: Chaos und Struktur

Also wieder zurück an den Schreibtisch. Dieses Stadium der Entwicklung eines Romans läuft nicht nach Zeichenbrett. Es bringt das Gehirn zum Kochen, es ist chaotisch, doch man kann das Chaos strukturieren. Lass die Fragen nicht los, sei streng mit dir! Um wen und worum geht es? Was ist das Thema? Und was für eine Geschichte ist es?

Am Ende dieser ersten Konzipierungsphase fasse ich das Ganze in ein bis zwei Sätzen zusammenfassen (die sogenannte Logline). Und dann sollte ich entscheiden können: Kann diese Geschichte funktionieren?