Hintergrund der “Druidinnen”

“Die Keltenzeit wird in diesem Roman wunderbar lebendig. Man spürt, dass sich die Autorin intensiv mit den archäologischen Grundlagen ihres Stoffes auseinandergesetzt hat. Und der Roman ist spannend und packend geschrieben”.
Susanne Sievers, stellv. Direktorin der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts

Historischer Rahmen – Das 2. Jahrhundert v. Chr.

Auf germanischem Boden herrschen Überbevölkerung und Landnot. Der Zug der Kimbern und Teutonen schleudert die norddeutschen Völker in Chaos, Kämpfe und Untergang. Die Kimbern verlassen ihre angestammten Gebiete um 120 vor Christus. Entlang der großen Flüsse ziehen sie nach Süden. Die Boier (ein keltischer Stamm im heutigen Böhmen) wehren die Flut aus dem Norden ab. Der antiken Überlieferung nach gelangen die Kimbern in den folgenden Jahren bis in den südosteuropäischen Raum. Im Jahre 113 v. Chr. besiegen sie in der Schlacht bei Noreia römische Truppen. Plünderungen begleiten den Zug danach auf seinem Weg nach Süddeutschland und in das Einflussgebiet der Vindeliker. Dies stellt den historischen Rahmen der dramatischen Ereignisse am Ende von „Die Druidin“.

Von Süddeutschland und der Schweiz ziehen die Kimbern als Söldner nach Gallien und bis zu Iberischen Halbinsel. Sie geraten in den Einflussbereich der Römer, weitere Kämpfe folgen. Schließlich trennen sich die Teutonen von den Kimbern: Die Teutonen ziehen westlich Richtung Italien, wo sie bei Aqua Sextiae in der Entscheidungsschlacht mit den Römern vernichtend geschlagen werden. Die Kimbern ziehen über den Brenner bis in die Poebene. Mit diesem Zangenangriff auf Italien und dem Scheitern der römischen Verteidigung gegen die Kimbern an der Etsch beginnt „Der Fluch der Druidin“. Er endet mit der Entscheidungsschlacht der Kimbern gegen die Römer bei Vercellae.

Die Druidin und Der Fluch der Druidin beschäftigt sich mit zwei großen Völkern, deren Erbe wir in uns tragen: den Kelten und den Germanen. Die Züge der Kimbern und Teutonen bildeten den Auftakt der germanischen Expansion nach Süden, die wir als Völkerwanderungszeit kennen. Die Geschichtsschreibung kann nachvollziehen, wie es mit den Germanen in den folgenden Jahrhunderten weiterging: über die Kämpfe mit Cäsar, Ariovist, der Varus-Schlacht bis hin zur Völkerwanderung existieren etliche schriftliche Quellen. Im Dunkeln liegt jedoch der Untergang der Kelten.

Die keltische Welt

Die keltische Welt, die sich einst vom Atlantik bis Ungarn erstreckte, stellt sich heute als ein uneinheitlicher Komplex verschiedenster Stämme und Stammesverbände dar. Beherrscht wurden sie von Fürsten und Druiden – keltischen Gelehrten, die Priester, Ärzte, Philosophen, Astronomen und Rechtsprecher zugleich waren. Die Druiden kannten die Geheimnisse der Natur, der Sterne und der Seele. Der von antiken Autoren überlieferte Glaube an die Seelenwanderung bildete die Grundlage für die im Roman dargestellte Gabe, Seelen sehen zu können.

Leider hinterließen die Kelten– obwohl auf dem Weg zur Hochkultur – keine schriftlichen Zeugnisse. Wollen wir etwas über das Leben der damaligen Menschen erfahren, sind wir daher zum größten Teil auf archäologische Quellen angewiesen – also auf das, was sich an materieller Kultur im Boden erhalten hat.

Hauptperson in Die Druidin ist Talia, eine junge Keltin. Frauen in der keltischen Gesellschaft, obwohl patriarchalisch geprägt, nahmen aus Sicht römischer und griechischer Schriftsteller eine starke Stellung ein. Antike Autoren berichten erstaunt über keltische Frauen, die sich gar ins Kampfgetümmel stürzten. Es ist überliefert, dass Frauen erben durften, dass sie in Streitfälle eingriffen und dass das Vermögen eines Paares gemeinsam verwaltet wurde.
Schon aus älterer keltischer Zeit, dem 5. Jahrhundert vor Christus, kennen wir sehr reiche Gräber keltischer Frauen, die in Ausstattung und Prunk den Männergräbern der Oberschicht kaum nachstehen. Ausnahmen, dennoch zeigen sie uns, dass es sie tatsächlich gab: keltische Frauen mit erheblichen politischen Einfluss.

Allerdings trat im zweiten Jahrhundert vor Christus bei den Kelten Süddeutschlands ein Wandel in der Bestattungssitte ein: In der Zeit, in der Die Druidin spielt, finden sich keine Gräber mehr, die uns etwas über die Sozialstruktur, die Jenseitsvorstellungen und geistige Kultur jener Menschen verraten könnten. Dafür finden die Archäologen andere Dinge: allen voran die Oppida.

Die keltischen Oppida sind große befestigte Siedlungen, die Cäsar in seinem Gallischen Krieg beschreibt. Manching oder „Alte-Stadt“, wie ich es im Roman bezeichne, war damals die wohl bedeutendste keltische Stadt Deutschlands. Sie war der Mittelpunkt des Stammes der Vindeliker und Zentrum des Handels entlang der Donau. Noch heute kann man die Überreste des Befestigungswalls bei Manching besichtigen. Die Ergebnisse der Ausgrabungen mit ihren Siedlungsstrukturen, Metall-, Knochen- und Keramikfunden, Schmuck, Waffen, mediterranen Importgütern, Goldschätzen und rätselhaften Bestattungen füllen mehrere Bände. Das Oppidum von Manching war ein Zentrum des Handels und der Macht eines Volkes, das die Blüte seiner Zivilisation erreicht hatte.

Die Oppida – Statussymbole, Bollwerke. Östlich der Vindeliker schloss sich das Gebiet der Boier an. Beiden Stämmen ging es wohl um die Macht über den Donauhandel und den Reichtum, den er verspricht. Neben dem Austausch von Geiseln war es dieser Handel, der die beiden Stämme in Friedenszeiten eng verknüpfte.

Die Namen von Orten, Flüssen und Völkern, die ich in „Die Druidin“ verwende, sind teils überlieferte keltische Namen Alkimoennis (das Oppidum von Kelheim) und Menosgada (Staffelberg bei Staffelstein). Bei Namen von Städten oder Völkern, die wir nicht zuordnen können, habe ich deutsche Namen erfunden. Der Begriff „Germanen“, der auf Cäsar zurückgeht, wurde damals noch nicht verwendet, daher wird im Roman neutral vom „Nordvolk“ gesprochen. (Die Römer wiederum hielten die Kimbern damals noch für Kelten.)

Im ersten Jahrhundert vor Christus verschwindet die keltische Kultur in Deutschland, die Oppida werden aufgegeben. Cäsar berichtet über die gallischen Kriege westlich des Rheins, aber was östlich passiert ist, bleibt Forschungsdiskussion. Die Geheimnisse der Kelten gehen mit ihnen und ihrem rätselhaften Untergang verloren. Was bleibt ist der Mythos.

Mehr erfahren:

Statten Sie doch  dem Kelten Museum in Manching einen Besuch ab! http://www.museum-manching.de