Nikolaus & Gefährten – von Legenden zum Roman

Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine Zeit voller Bilder: Wir denken an Tannen und Schnee, an Sankt Nikolaus mit Bart und Bischofshut, den düsteren Knecht Ruprecht, Krampus, Pelznickel, Schmutzli oder wie diese düsteren Figuren, die Nikolaus begleiten oder an seiner Statt kommen, auch überall heißen mögen.

Der Heilige Nikolaus & die Reformation

Vorbild für den Nikolaus ist der Heilige Nikolaus von Myra. Krummstab und Mitra erinnern an den Bischof aus dem 4. Jahrhundert. Der Heilige Nikolaus war der Patron der Schiffer und Schüler. Sogar das nächtliche Auffüllen von Stiefeln oder Socken basiert auf einer Legende über den Heiligen Nikolaus von Myra, der nachts drei junge Mädchen mit Gold beschenkte, um sie vor Schlimmen zu bewahren.

Im 16. Jahrhundert, als Martin Luther lebte und der Roman »Das Erbe der Rauhnacht« spielt, wurde die Bescherung noch am Tag des Heiligen Nikolaus, also am 6. Dezember bzw. seinem Vorabend, gefeiert. Die Reformation forderte jedoch ein Ende der Heiligenverehrung – der auch der Heilige Nikolaus zum Opfer fiel. So wurde im Laufe der Zeit der Bescherungstag auf Weihnachten verlegt, und der Gabenbringer wurde das Christkind bzw. der Weihnachtsmann.

In einigen, vor allem protestantischen Regionen hat der Knecht Ruprecht den Nikolaus als Gabenbringer komplett verdrängt.

Knecht Ruprecht, Krampus & Co

Knecht Ruprecht ist dunkel gewandet, bärtig, ein wilder Gesell mit Sack, Rute oder Wanderstock. Seinen Ursprung müssen wir wohl in der Tradition der Perchten suchen.  Auch die Namensähnlichkeit mit Perchta sowie dass beide Figuren strafen und belohnen, weist auf eine Verbindung hin. Zum ersten Mal erwähnen schriftliche Quellen die Figur des Knecht Ruprechts als Begleiter Nikolaus beim Einkehrbrauch Ende des 16. Jahrhunderts.

In anderen Regionen wurden die düsteren Gesellen, die Nikolaus begleiten oder an seiner Statt kommen, unterschiedlich genannt, und sie tragen auch unterschiedliche Merkmale. Südbayern kennt z.B. den Krampus, die Deutschschweiz den Schmutzli.

Der 5. und 6. Dezember – Einkehrbrauch & Krampuslauf

Im Roman ziehen Nikolo und sein Knecht am 6. Dezember los, um den Menschen den Einkehrbrauch zu halten. Früher war dabei übrigens tatsächlich die Frage üblich, ob die Kinder denn ihre Gebete kennen.

In manchen Gebieten kommt der Nikolaus am Vorabend des 6. Dezember, also am 5. Dezember, was im Übrigen auch heute der übliche Krampustag ist. Manche Krampusse laufen aber auch erst am 6. Dezember. Überhaupt sehen wir bei all diesen Begleitern von Nikolaus und den Sagengestalten des Advents und der Rauhnächte regionale Unterschiede.

Sankt Nikolaus und Knecht Ruprecht: Von der Legende zum Roman

Ein Sack mit Geschenken und natürlich die Rute sind die Merkmale, mit denen wir groß geworden sind. Dazu kommen geflügelte Worte wie der Beginn von Theodor Storms berühmten Gedicht »Knecht Ruprecht«: Von drauß vom Walde komm ich her …

Solche Elemente im Roman unterzubringen (Theodor Storm inspirierte quasi den ersten Satz) hat mir großes Vergnügen bereitet, aber der Kamin, durch den der Weihnachtsmann traditionell kommt, war eine Herausforderung. Nun ist der Weihnachtsmann zwar nicht dem Sankt Nikolaus gleichzusetzen, außerdem ist er ein Kind der Reformationszeit, als die Protestanten die Heiligenverehrung ablehnten und in deren Folge der Bescherungstag, der vorher der Nikolaustag war, auf Weihnachten verlegt wurde. Aber ich wollte gerne auch noch eine mögliche Erklärung für die Kaminlegende liefern. Wenn ihr wissen wollt, was ich mir da ausgetüftelt habe, müsst ihr wohl den Roman lesen …

Krampus, Kinderfresser, Pelzmärtel

Europa ist reich an düsteren Gestalten, die Nikolaus begleiten oder an seiner Statt kommen. Ob Knecht Ruprecht oder Krampus und Klaubauf in Süddeutschland, Bartel, Hans Muff und Hans Trapp im Westen, Schmutzli in der Deutschschweiz, Belznickel, der fränkische Pelzmärtel oder der Teufel … regional unterschiedliche Schreckgestalten bevölkern unsere Kindheit und Mythen.

In meinem Roman »Das Erbe der Rauhnacht« tragen die Gesellen der Wilden Jagd Namen wie Krampus, Kinderfresser und Prügel. Wo kommen diese Figuren her?

Krampus

In Südbayern und Österreich bis Kroatien und Südosteuropa kennen viele den Krampus als dämonischen Begleiters des Nikolaus. Knecht Ruprecht ist dort als Begriff allenfalls aus dem Deutschunterricht bekannt (siehe Theodor Storms Gedicht ‚Knecht Ruprecht’) oder als der Hund von den Simpsons.

Wie bei Knecht Ruprecht gehen die ersten Erwähnungen von Krampus auf das Ende des 16. Jahrhunderts zurück, dennoch liegt der Ursprung dieser Figur wahrscheinlich viel früher und entspringt wohl der Tradition der Perchten.

Anders als der Knecht Ruprecht tritt der Krampus häufig in Horden auf. Die Krampusse wirken auch viel teuflischer, dämonischer und brutaler als der Knecht Ruprecht des nördlichen und mitteldeutschen Sprachraums. Sie tragen Hörner und Holzmasken und hüllen sich in Felle.

Auch heute gibt es noch Krampusläufe, bei denen die teuflischen Gestalten Passanten erschrecken und dabei Gebrauch von ihren Ruten machen. Krampusse treten meist am 5. Dezember, aber auch am 6. Dezember auf, also in der Adventszeit. Das unterscheidet sie von den Schiachperchten, die Figuren der Rauhnächte sind, auch wenn der Krampus wohl ebenfalls auf die Perchtentradition zurückgeht.

Am 11.11. kommt der Pelzmärtel in Franken

Am 11.11. kommt in Franken der Pelzmärtel (oder auch: Pelznickel) – eine Mischung aus Sankt Martin (der am 11.11. seinen Namenstag hat) und dem Nikolaus als vorweihnachtliche Geschenkebringer.

Der Pelzmärtel entstand aus der Reformation, als die Protestanten begannen, die alten Heiligen wie Martin und Nikolaus abzulehnen. Aber offenbar hatte keiner Lust, liebgewonne alte Bräuche gänzlich auszumerzen …

Der Name Pelzmärtel im Fränkischen setzt sich zusammen aus Martin und dem Wort „pelzen“, was so viel wie „prügeln“ bedeutet. So kam ich beim Verfassen von »Das Erbe der Rauhnacht« auf die Figur von Prügel – einem jungen Mann, der mit bürgerlichen Namen Martin heißt.

Kinderfresser

Der Kinderfresser ist eine seelenfressende Schreckfigur („Chindlifrässer“ im alemannischen Sprachraum). Auch er entstammt wohl der Perchtentradition. Kinderfresser ist wie Krampus kein netter Geselle, so droht er sündigen Kindern damit, sie aufzuschlitzen. Sein Name ist also Programm.

Kinderfresser heißt im Roman mit bürgerlichen Namen Hans. Da habe ich mich bei den Vornamen der Sagengestalten in Westdeutschland und dem Elsass bedient, sprich bei Hans Muff und Hans Trapp.

Wieso Knecht Ruprecht und die Wilde Jagd?

Knecht Ruprecht – irgendwie ploppte dieser Gedanke schon vor Jahren in meinem Kopf auf. Ich verwarf ihn sofort. Wieso? Aus einem bescheuerten Grund: Weil ich den Namen nicht sexy fand.

Doch sobald ich an Ideen für einen nächsten Roman herumnagte, tauchte dieser Gedanke wieder auf – hartnäckig und unbeeindruckt davon, wie oft ich ihn verwarf.

Ein düsterer Wanderer – eine Romanidee setzt sich fest

Manche Geschichten wollen offenbar erzählt werden. Solche Ideen verschwinden nicht einfach. Gute Ideen kommen wieder. Ob sie aus unserem Unbewussten emporsteigen oder etwas Höheres durch uns spricht – Story-Guru Steven Pressfield würde es die Muse nennen –, darf jeder für sich selbst entscheiden. Irgendwann jedenfalls, als Knecht Ruprecht und das Bild des düsteren Wanderers sich wieder aufdrängte, entschied ich, mir diese Figur näher anzuschauen.

Die Entstehung von »Das Erbe der Rauhnacht«

Storyentwicklung baut auf Fragen auf. Die folgenden waren die ersten:
Was wäre, wenn Nikolaus der Böse wäre?
Was wäre, wenn ein Knecht mehr sein will als nur ein Knecht?
Und muss Knechtschaft immer negativ sein?

So schenkte mir der  Name meiner Hauptfigur auch sofort das Thema, um das es gehen sollte: Knechtschaft. Oder anders ausgedrückt: Wenn Liebe dient …

Ich las mehr über Knecht Ruprecht, Krampus, Kinderfresser und wie diese Figuren alle heißen, über Perchta, Frau Holle, die Rauhnächte und die Wilde Jagd. Ich begann zu recherchieren, wann die Figur des Knecht Ruprechts zum ersten Mal erwähnt wird. Ich stolperte über eine Erwähnung in Nürnberg im 16. Jahrhundert, das Zeitalter der Reformation. Was für ein spannender, großer historischer Hintergrund!

Der Roman sollte dabei jedoch mehr auf der Seite uralter Legenden und Mythen einzuordnen sein als klassischer historischer Roman. Eine zeitlose Weihnachtsgeschichte für die Adventszeit, die man an dunklen Abenden, wenn es draußen stürmt, mit einer Tasse heißer Schokolade auf der Couch verschlingt. Ein bisschen magisch, ein bisschen märchenhaft. Am Ende wurde gar eine Erlösungsgeschichte daraus – passend zum Heiligabend, an dem das »Das Erbe der Rauhnacht» seinen zweiten Showdown erleben. Ein Buch für alle, die sich auf den Advent, Weihnachten und die Rauhnächte einstimmen wollen.

Ab Oktober überall erhältlich!