Krampus, Kinderfresser, Pelzmärtel

Europa ist reich an düsteren Gestalten, die Nikolaus begleiten oder an seiner Statt kommen. Ob Knecht Ruprecht oder Krampus und Klaubauf in Süddeutschland, Bartel, Hans Muff und Hans Trapp im Westen, Schmutzli in der Deutschschweiz, Belznickel, der fränkische Pelzmärtel oder der Teufel … regional unterschiedliche Schreckgestalten bevölkern unsere Kindheit und Mythen.

In meinem Roman »Das Erbe der Rauhnacht« tragen die Gesellen der Wilden Jagd Namen wie Krampus, Kinderfresser und Prügel. Wo kommen diese Figuren her?

Krampus

In Südbayern und Österreich bis Kroatien und Südosteuropa kennen viele den Krampus als dämonischen Begleiters des Nikolaus. Knecht Ruprecht ist dort als Begriff allenfalls aus dem Deutschunterricht bekannt (siehe Theodor Storms Gedicht ‚Knecht Ruprecht’) oder als der Hund von den Simpsons.

Wie bei Knecht Ruprecht gehen die ersten Erwähnungen von Krampus auf das Ende des 16. Jahrhunderts zurück, dennoch liegt der Ursprung dieser Figur wahrscheinlich viel früher und entspringt wohl der Tradition der Perchten.

Anders als der Knecht Ruprecht tritt der Krampus häufig in Horden auf. Die Krampusse wirken auch viel teuflischer, dämonischer und brutaler als der Knecht Ruprecht des nördlichen und mitteldeutschen Sprachraums. Sie tragen Hörner und Holzmasken und hüllen sich in Felle.

Auch heute gibt es noch Krampusläufe, bei denen die teuflischen Gestalten Passanten erschrecken und dabei Gebrauch von ihren Ruten machen. Krampusse treten meist am 5. Dezember, aber auch am 6. Dezember auf, also in der Adventszeit. Das unterscheidet sie von den Schiachperchten, die Figuren der Rauhnächte sind, auch wenn der Krampus wohl ebenfalls auf die Perchtentradition zurückgeht.

Am 11.11. kommt der Pelzmärtel in Franken

Am 11.11. kommt in Franken der Pelzmärtel (oder auch: Pelznickel) – eine Mischung aus Sankt Martin (der am 11.11. seinen Namenstag hat) und dem Nikolaus als vorweihnachtliche Geschenkebringer.

Der Pelzmärtel entstand aus der Reformation, als die Protestanten begannen, die alten Heiligen wie Martin und Nikolaus abzulehnen. Aber offenbar hatte keiner Lust, liebgewonne alte Bräuche gänzlich auszumerzen …

Der Name Pelzmärtel im Fränkischen setzt sich zusammen aus Martin und dem Wort „pelzen“, was so viel wie „prügeln“ bedeutet. So kam ich beim Verfassen von »Das Erbe der Rauhnacht« auf die Figur von Prügel – einem jungen Mann, der mit bürgerlichen Namen Martin heißt.

Kinderfresser

Der Kinderfresser ist eine seelenfressende Schreckfigur („Chindlifrässer“ im alemannischen Sprachraum). Auch er entstammt wohl der Perchtentradition. Kinderfresser ist wie Krampus kein netter Geselle, so droht er sündigen Kindern damit, sie aufzuschlitzen. Sein Name ist also Programm.

Kinderfresser heißt im Roman mit bürgerlichen Namen Hans. Da habe ich mich bei den Vornamen der Sagengestalten in Westdeutschland und dem Elsass bedient, sprich bei Hans Muff und Hans Trapp.