Die Rauhnächte

“Die Rauhnächte: dämonenreicher Zauber des Mittwinters. Zwölf Nächte außerhalb der Zeit, in denen die Grenzen zu anderen Welten fallen, Geister an Türen klopfen. Die Zeit der Wilden Jagd.
Hütet euch. Denn die Dämonen lauern in uns.”

»Das Erbe der Rauhnacht« spielt in den Rauhnächten – ein winterliches, schneeschimmerndes Setting voller alter Bräuche, Zauber und legendenhafter Sagenfiguren. Die Rauhnächte stehen für den Übergang in das neue Jahr. Es ist eine Zeit, um in die Stille zu gehen, um Rückschau zu halten wie Vorschau, aber auch um zu feiern und uns bei Familien und Freunden zu bedanken (gerne mit Geschenken :-)).

Doch wo haben die Zwölften, wie die Rauhnächte auch genannt werden, eigentlich ihren Ursprung?

Ursprung der Rauhnacht

Die Rauhnächte beschreiben die letzten Tage des ausgehenden Jahres. Ihr Ursprung geht auf eine alte Zeitrechnung nach dem Mondkalender zurück: Ein Jahr aus zwölf „Monaten” in Mondphasen umfasst 354 Tage, da der Mondmonat kürzer ist als der kalendarische. Zu dem Sonnenjahr mit 365 Tagen fehlen daher zwölf Nächte. Diese stehen „außerhalb der Zeit“. Nach alter Überlieferung werden hier die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt, die Grenzen zu anderen Welten fallen. Die Seelen der Toten können die diesseitige Welt erreichen, das Geisterreich steht offen. Deshalb ergriffen die Menschen früher Schutzmaßnahmen gegen dämonische Mächte und Unholde, die in dieser Zeit die Welt heimsuchten. Dazu zählt insbesondere die Wilde Jagd.

Der Zeitraum der Rauhnächte wird heutzutage oft angegeben vom 25. Dezember bis zum 6. Januar (Epiphanie/Heilige Drei Könige). Ursprünglich begann die Zeit wohl eher am 21. Dezember, dem Thomastag zur Wintersonnenwende (wenn die Tage wieder länger werden).
Am Ende der Rauhnächte zogen sich nach alter Überlieferung die dämonischen Kräfte zurück, und auch die Wilde Jagd begibt sich zur Ruhe.

Rituale und Magie

In den Rauhnächten soll man Tiere reden hören können. In manchen Orten werden Glocken geläutet, um Geister fernzuhalten. Träume, die man in diesen Nächten hat, sollen in Erfüllung gehen, es wird orakelt, und um Mitternacht soll man seinen zukünftigen Partner an einer Wegkreuzung sehen können. Man soll Geliehenes zurückgeben, Ordnung halten, räuchern, keine Wäsche draußen aufhängen, die Natur mit kleinen Speisegeschenken ehren.

Insbesondere das Gebot, in diesen Tagen keine Wäsche zu waschen oder draußen aufzuhängen, ist heutzutage noch weitläufig bekannt. Wer sich nicht sicher ist, frage seine Eltern oder Großeltern danach!

Im Roman »Das Erbe der Rauhnacht« greife ich diese Überlieferungen auf und spanne mit ihnen den Bogen ins Heute. Die Rauhnächte liefern hierbei einen atmosphärisch dichten Romanhintergrund, dessen Geheimnisse und Zauber uns auch heute noch fasziniert.

Reformation & Bauernkriege – Historisches zu »Das Erbe der Rauhnacht«

Die Handlung von »Das Erbe der Rauhnacht« setzt während der Reformation und kurz nach den Bauernkriegen ein, also Ende der 20er Jahre des 16. Jahrhunderts. In den Bauernkriegen kämpften die Bauernhaufen ohne Rüstungen, mit Sensen, Heugabeln, Holzspießen bewaffnet. Aber wofür genau kämpften sie?

Herrschaftliche Willkür & Bauernkriege 

Zu Beginn des Romans »Das Erbe der Rauhnacht«versucht Rupp – der Protagonist –, sich Aufständischen anzuschließen, die in den Wäldern hausen. Dabei spottet einer der vogelfreien Bauern, ob Rupp ihnen denn helfen wolle, Schneckenhäuser zu sammeln. In diesem Satz habe ich eine Begebenheit aus den Bauernkämpfen des 16. Jahrhunderts aufgegriffen: Sie erzählt, wie eine schwäbische Lehnsherrin ihre Bauern von der Ernte abzog, damit sie gefälligst Schneckenhäuser zum Garnspinnen für sie sammeln. Eine solche Tyrannei durch die Grundherren schürte die Wut der abhängigen Bauern.

Das damalige Lehnswesen und die Grundherrschaft diente vor allem den Grundherren (zu diesen zählten übrigens auch geistliche Grundherren aus dem kirchlichen Umfeld.) Wenn ein Bauer starb, erhielt der Lehnsherr einen Anteil von 50 %. Konnten die Erben diesen nicht bezahlen, drohte die Leibeigenschaft.

Das Jagd- und Fischereirecht lag, wie im Roman beschrieben, beim Adel. Die Bauern hatten Fronarbeit zu leisten. Die meisten Bauern mussten sich früher oder später in die Abhängigkeit begeben. Hinzu kamen neue Steuern: Der Zehnt (eine zehnprozentige Steuer in Geld oder Naturalien) sollte plötzlich auch auf Tiere geleistet werden – und das im Namen der Heiligen Schrift.

Nun machte aber Luthers Bibelübersetzung die Inhalte der Bibel nachprüfbar – auch für das gemeine Volk, welches nicht des Lateins mächtig war. Fahrende Buchhändler boten die Lutherbibel auf den Märkten an. Dort war lautes Vorlesen üblich für all jene, die nicht lesen konnten. Die Inhalte der Bibel wurden dadurch zugänglicher, und die Menschen lernten, dass die Ordnung nicht gottgewollt war, wie es ihnen die Oberen eingeredet hatten.

Die Reformation und Martin Luther

Damals war bekannt, dass sich die Würdenträger der Kirche wie Fürsten gebärdeten. Papst Leo (später der „Prächtige“ genannt) investierte beispielsweise Unsummen in den Petersdom.

Der ausufernd praktizierte Ablasshandel, mit dem sich das Volk sein Seelenheil erkaufen sollte („Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt“) wurde von Martin Luther als Täuschung der Gläubigen angeprangert, denn Sündenerlass und Seelenheil konnten nicht käuflich sein. Luther predigte außerdem, Erlösung könne allein durch Gottes Gnade erteilt werden und es brauche keine Mittler zwischen den Menschen und Gott. Diesem Gedanken fielen die katholischen Heiligen zum Opfer:

Im Zuge der Reformation wurden Kunstschätze und Heiligenfiguren entwendet und geschändet. Das nennt man Bilderstürmer. Erwähnung finden diese in der zweiten Hälfte des Romans, wenn Nikolo sich darüber auslässt, dass die Reformation die Heiligen abschafft.

Luther ging es um die Freiheit der Gläubigen, doch er stand damit weder auf der Seite der aufständischen Bauern noch wollte er den Adel abschaffen. Doch er stand für Schulbildung auch für die unteren Schichten ein – womit allerdings vor allem auf die Fähigkeit abgezielt wurde, die Bibel lesen zu können.

Der Begriff „Protestanten“ kam ab 1530 in Gebrauch (beim Reichstag zu Augsburg).

Vom Spätmittelalter in die Neuzeit und vom Land in die Stadt

Kurz vorher war der Buchdruck erfunden worden, Amerika entdeckt. Diese Zeit des frühen 16. Jahrhunderts markiert damit auch den Übergang vom Spätmittelalter in die Neuzeit. Ebenfalls typisch für die Zeit war eine Abwanderung. „Stadtluft macht frei!“ hieß es. Das Ziel war, grundherrlicher Abhängigkeit zu entkommen, was aber nicht so einfach war. Die Schere zwischen Stadt und Land begann weiter zu klaffen. Was weiterhin stark blieb, war der Aberglaube und die Angst vor Dämonen, dem Teufel und Hexerei. Auch dieser Aberglaube findet im Roman immer wieder Erwähnung.

Filmtipp Allied

Allied ist ein packendes Liebesdrama während des zweiten Weltkriegs, das die Action und den Thrill von Spionage- und Kriegsfilmen dosiert aufflackern lässt, ohne dabei jemals den Spannungsbogen des Hauptplots – die Liebesgeschichte, und wie diese Liebe getestet, bis ins letzte Extrem geführt wird – zu verlassen.

Was den Film meiner Meinung nach funktionieren lässt, ist zum einen die Genre-Treue, die den zentralen Wert des Liebesdramas nicht aus den Augen verliert, das Spiel auf der Klaviatur der Spannung und das meisterhaft mit Plot verwebte Setting.

Genre und zentraler Wert

Allied erzählt ein Liebesdrama vor historischem Hintergrund, das in einem Rennen um Leben und Tod kulminiert. Zwar gelingt es dem Film nicht, ein Liebespaar zu schaffen, das unsterblich werden wird, doch er stellt Max – der von Brad Pitt gespielte Held des Films – vor die schlimmste Frage eines Ehemannes überhaupt: der nach der Echtheit der Liebe.

Max ist ein erfahrener Krieger, mehrfach hat er dem Tod ins Auge geblickt, hat ihn gar akzeptiert. Das Leben und das seiner Familie stehen auch am Schluss auf dem Spiel. Aber der zentrale Wert, um den es geht, welcher das Dilemma unseres Helden ausmacht und das Genre des Films definiert, ist die Liebe und ihre Wahrhaftigkeit.

Spannung, Konflikt und Komplikationen

Der Film schafft Konflikt auf allen Ebenen: Wir sehen Max in Konflikt mit seiner Frau, aber vor allem mit sich selbst in seinem Dilemma von Glauben und Liebe. Dazu gesellen sich einerseits durch das Setting des Weltkriegs gewaltige äußere Gegner, andererseits finden sich plotbedingt die gefährlichsten Widersacher innerhalb seiner eigenen Institution, die das Land und die freie Welt gegen seine Frau verteidigen wollen.

Allied spielt meisterhaft auf der Klaviatur der Spannung und dabei viel mit der Erwartung des Zuschauers, indem er auf echte Spannung zielt, nicht bloß Überraschung. Dabei setzt er in Schlüsselereignissen – oder bei Schlüsselpersonen – regelmäßig immer noch eine Komplikation oben drauf, die den Konflikt erhöht, noch das Letzte aus der Situation herauskitzelt: Z.B. als Max abends im Bett auf den Anruf wartet (tickende Uhr!), der die Wahrheit über seine Frau ans Licht bringen soll. In welcher Situation könnte diese Situation auf die Spitze getrieben werden? Antwort: In einer Liebesszene, wo innerer, interpersoneller und äußerer Konflikt zwischen den Laken kulminieren. Und der Mann, der als einziger die Gerüchte über Marianne (CHECK) widerlegen oder bestätigen könnte? – Ein in einem französischen Gefängnis sitzender Säufer. Nichts ist leicht in diesem Film, der auch Menschen, die sonst nicht von Liebesdramen ins Kino gezogen werden, fesselt.

Setting

Allied eignet sich wunderbar, um zu studieren, wie Setting mit Plot eine wunderbare Einheit bildet. Der zweite Weltkrieg mit all seinen Schrecken ist immer wieder präsent, ohne jemals aufdringlich in den Vordergrund zu drängeln. Der Bombenhagel über London ist hier ein gutes Beispiel: Eine Frau läuft über zerbrochene Scherben – mehr als nur Symbolik. Wir sehen ein Geschäft, dessen Fensterfront in Trümmern liegt, davor ein Schild: geöffnet wie immer. Im Restaurant erklingen die Sirenen des Fliegeralarms, ebenso sehen und hören wir später beim Haus die Detonationen der Luftabwehr, doch kein Actionhagel aus herumfliegenden Trümmern, Explosionen, rennenden Menschenmassen, keinerlei Effekthascherei begleitet den Bombenhagel. In der Abgebrühtheit der Partygäste und damit im Subtext entfaltet sich der wahre Schrecken des Krieges. Niemals wendet der Krieg unsere Aufmerksamkeit ab von dem Paar, dessen manchmal stilles, manchmal temporeiches Drama sich eingebettet in das gewaltige Setting vor uns entfaltet.