Die Welt der „Druidin“: Die Kelten

Nächste Woche beginnt meine Leserunde auf Lovelybooks zu »Die Druidin« und später folgt noch eine zu »Die Tochter der Druidin«. Daher wollte ich Euch ein bisschen zum Hintergrund der damaligen Zeit erzählen. In »Die Tochter der Druidin» findet Ihr am Schluss ein Nachwort, wo Ihr Weiteres nachlesen könnt, außerdem gibt es am Ende der Romane Übersichten mit den wichtigsten Namen, Völkern und Orten. Im Folgenden jedoch ganz kompakt, was für mich die Faszination der Kelten, Kimbern und der damaligen Zeit ausmacht:

Die keltische Welt

Die keltische Welt, ein uneinheitlicher Komplex verschiedenster Stämme und Stammesverbände, erstreckte sich einst vom Atlantik bis Ungarn. Regiert wurden sie von Fürsten und Druiden – keltische Gelehrte, die Priester, Ärzte, Philosophen, Astronomen und Rechtsprecher zugleich waren. 

Die Druiden kannten die Geheimnisse der Natur, der Sterne und der Seele. Cäsar berichtet uns über ihre lange Ausbildung und die rein mündliche Überlieferung ihrer Geheimnisse. Die Druiden konnten Menschen von den Opfern ausschließen, was im Grunde einer Exkommunikation gleichkam. Damit verfügten die Druiden über eine enorme Machtfülle in einer Zeit, in der die Menschen noch keine Trennung zwischen Geistlichem und Weltlichem kannten. 

In „Die Druidin“ spiele ich mit diesen überlieferten Elementen. So schenkte mir zum Beispiel der aus antiken Schriftstücken belegte Glaube der Kelten an die Seelenwanderung die Idee für die Gabe meiner Hauptfigur Talia, Seelen sehen zu können. 

Druiden, Fürsten, mächtige Frauen 

Die Kelten waren damals auf dem Weg zur Hochkultur. Druiden wie Ientus und Fürsten wie Caran und Segurion herrschten über das Volk. Wir wissen von äußerst geschickten Ärzten und spezialisierten Handwerkern, von Kriegern mit Schwertern, Kettenpanzern und Sporen, denen einfache Gefolgsleuten mit Steinschleudern oder Pfeil und Bogen gegenüberstanden. Ebenfalls überlieft sind weit reisende Händler, Bauern und sogar Sklaven. 

Gemeinschaftsprojekte wie die gewaltige Stadtmauer des Hauptschauplatz des Romans, Alte-Stadt (das heutige Manching zwischen Ingolstadt und München), wären ohne Führung und Arbeitsteilung nicht machbar gewesen.  Ebenfalls ein in der Oberschicht angesiedeltes Privileg war die Münzprägung: Wer Geld prägt und Waren kontrolliert, hält Macht in den Händen. Wer Schulden macht, endet womöglich als Unfreier. 

Obwohl patriarchalisch geprägt, konnten einige Frauen in der keltischen Gesellschaft erheblichen politischen Einfluss erreichen. So haben Archäologen reich ausgestattete Gräber keltischer Frauen ausgegraben, die denen der Männer der Oberschicht kaum nachstehen. Es gab sie also: mächtige Frauen wie Carans Schwester und Widersacherin Roueca.

Kriege mit Nachbarn und germanische Invasion

Östlich der Vindeliker, die ihren Hauptsitz in Alte-Stadt/Manching hatten, schloss sich das Gebiet der Boier im heutigen Böhmen an. Beiden Stämmen ging es um die Macht über den Donauhandel und den Reichtum, den er versprach. Anzunehmen ist, dass es zum Austausch von Geiseln gekommen ist. Das greife ich im Roman mit der Figur von Dago auf. Dago ist ein boischer Fürstensohn, der seine Zeit in Carans Haushalt als Unterpfand für den Frieden zwischen Vindelikern und Boiern begann. Wohin das führte, könnt Ihr im Roman lesen.

Waffen- und Knochenfunde aus Manching (Alte-Stadt) und anderen befestigten Siedlungen deuten auf kriegerische Zeiten hin. Söldnertruppen waren zahlreich, und zu den innerkeltischen Kämpfen gesellte sich ab 120 v. Christus mit dem Ansturm germanischer Völker aus dem Norden zudem eine viel größere Gefahr: Die Züge der Kimbern und Teutonen stehen für den Beginn der Völkerwanderung und eine gewaltige germanische Migration, welche die keltische Welt und Europa erschütterte.
Kelten, Germanen, Römer und ein Sturm über Europa, wie eine ZDF-Reihe einst titelte — für mich lieferte das alles den perfekten Hintergrund für epische Geschichten.

Die Kelten verlieren sich im Dunkel der Geschichte 

Die Geschichte weiß, wie es mit den Germanen in den folgenden Jahrhunderten nach »Die Tochter der Druidin« weiterging: über die Kämpfe mit Cäsar, dem Germanenführer Ariovist und der Varus-Schlacht bis zur eigentlichen Völkerwanderungszeit existieren etliche schriftliche Quellen. Im Dunkeln liegt jedoch der Untergang der Kelten:

Im ersten Jahrhundert vor Christus verschwindet die keltische Kultur in Deutschland, die keltischen Oppida werden aufgegeben. Cäsar berichtet von den gallischen Kriegen westlich des Rheins, aber was östlich davon passiert ist, bleibt Forschungsdiskussion. Die Geheimnisse der Kelten, die keine eigene schriftliche Überlieferung kannten, gingen mit ihnen und ihrem rätselhaften Untergang verloren. Was bleibt, sind die archäologischen Quellen, Überlieferungen aus späteren Zeiten und anderen Orten, und – der Mythos. 

Das Erbe der Rauhnacht gewinnt den Seraph

Das Erbe der Rauhnacht hat den Seraph 2019 als bester Independent-Titel gewonnen!
Weitere Preisträger in anderen Kategorien sind Bernhard Hennen mit „Die Chroniken von Azuhr – der Verfluchte“ und Kris Brynn mit „The Shelter – Zukunft ohne Hoffnung“. 

Fantasy – ein unterschätztes Genre

Ich bin froh, dass mit der Phantastischen Akademie eine Plattform besteht, die der Fantasy mehr Aufmerksamkeit verleiht. Vielen Menschen ist nicht bewusst, welche Schönheit und Tiefe in diesem Genre steckt. Auch in meinem Gespräch mit Bernhard Hennen bei der Vorstellung der Preisträger auf der Leipziger Buchmesse ging es um dieses Thema: Wie oft in der Fantasy Subtext gar nicht gesehen wird, wie über Bezüge zu Historie und aktuellen Debatten hinweggelesen wird, weil wenige in dieser Literatur nach Tiefe suchen, zwischen den Zeilen lesen oder sich fragen, was dahintersteckt.

Aktualität in der Fantasy: Wahres schreiben

Dabei gilt in der Fantasy, was auch für Science Fiction und historische Romane gilt: Was wir in der Vergangenheit, Zukunft oder in selbst geschaffenen Welten beschreiben, muss stets ein Echo finden in den Themen der Gegenwart. Sonst wird Literatur überflüssig, banal und schreibt sich am Leser vorbei. Wir müssen uns selbst und unsere Welt in einer Geschichte erkennen können. Denn darum geht es ja letztlich: darum, etwas Wahres zu schreiben.

Ich freue mich jedenfalls sehr über meinen Seraph und danke ganz herzlich Oliver Graute und Natalja Schmidt, die den Preis auf der Leipziger Buchmesse verliehen, sowie ihrem gesamten Team für die Unterstützung und einen tollen Lese-Abend.

Genres – Wie kategorisieren wir Geschichten?

Was beschreiben eigentlich Genres?

Genres klassifizieren verschiedene, uneinheitliche Aspekte einer Geschichte wie

  • Setting (z.B. Western, historisch)
  • emotionale Tonalität (Komödie, Drama)
  • Inhaltliches (z.B. Detektivgeschichte, Liebesgeschichte)
  • Realititätsgehalt (z.B. Fantasy)

Dazu kommen weitere Genres, die sich auf die innere Reise bzw. Transformation der Hauptperson beziehen. Dazu zählen u.a. Coming-of-Age-Geschichten, die uns von der Reifung eines Charakters erzählen oder Prüfungsplots, die auf den Willen eines Menschen zielen (wie z.B. Der Alte Mann und das Meer oder The Revenant).

Supra-Genres und Sub-genres

Ein Roman oder Film, der im Supra-Genre Fantasy unterwegs ist, kann inhaltlich Romance zugeordnet werden, es kann sich um einen Krimi handeln oder um eine Coming-of-Age-Geschichte. Oft sprechen wir dann von Sub-Genres, die zwei verschiedene Arten der Kategorisierung oder Genres mixen (z.B. Fantasy Romance – eine Liebesgeschichte im phantastischen Setting).

Überlegt gerne mal, was eure Lieblingsgeschichten an verschiedenen Genre-Aspekten beinhalten. Und wenn ihr z.B. inhaltlich Love/Romance bevorzugt, mögt ihr sie in allen Settings oder fallen manche Genres (z.B. Fantasy Romance, Historical Romance) für euch weg, obwohl inhaltlich dieselben Geschichten erzählt werden?

Im Folgenden ein Beispiel von Genres anhand meines aktuellen Romans:

»Das Erbe der Rauhnacht»: historische Fantasy, Mythen & Legenden

»Das Erbe der Rauhnacht» ist zunächst einmal dem Supra-Genre Fantasy einzuordnen. Da der Fantasy-Aspekt den historischen Aspekt überwiegt, würde es ein Buchhändler ins Fantasy-Regal stellen. Natürlich habe ich den historischen Hintergrund dieser Zeit und vor allem die Lebensrealität der damaligen Bauern recherchiert, aber ich würde dieses Buch selbst auch nicht als Roman über die Reformationszeit verkaufen. Es ist ein vor allem ein Buch über einen Weihnachtsmythos, das Brauchtum der Rauhnächte und alte europäische Sagenfiguren. Mythen und Legenden findet sich im Buchhandel übrigens oft als eigene Kategorie.

Liebesgeschichte, Coming-of-Age, Weihnachtsgeschichte

Aber was für eine Handlung erzählt »Das Erbe der Rauhnacht«? Welche weiteren Genres bedient der Roman?

Der Roman erzählt zu einen eine Liebesgeschichte. Sie handelt von zwei Personen, die zusammen stärker wären als allein – sofern sie denn zueinander finden können.
Gleichzeitig führt uns der Roman einen Weg des Erwachsenwerdens entlang, also einen Coming-of-Age oder Reifungsplot. Wir folgen in »Das Erbe der Rauhnacht« der Entwicklung eines jungen Knechts, wie er seinen Wert und Selbstwert entdeckt und während seiner Abenteuer reift: eine Heldenreise im klassischen Sinne.
Die Rahmenhandlung erzählt wiederum einen Erlösungsplot und dabei eine ganz eigene, zauberhafte Weihnachtsgeschichte.

Wenn ihr mich vor ein paar Jahren gefragt hättet, ob ich mal eine Erlösungsgeschichte schreibe, hätte ich euch angeschaut wie ein Auto. Aber manchmal entwickelt eine Story-Idee ihre eigene Dynamik …