Das Cover für »Das Erbe der Rauhnacht«

Das »Erbe der Rauhnacht« steht auf der Shortlist des Deutschen Selfpublishingpreises 2019. Es ist mein erster Ausflug ins Selfpublishing; bislang erschienen meine Romane bei klassischen Verlagen wie Droemer Knaur, Goldmann oder zuletzt im Ebook-Verlag Dotbooks.

Von Lektorat über Cover- und Klappentext-Erstellung bis zur Organisation der Vertriebspartner lagen mit »Das Erbe der Rauhnacht« alle Entscheidungen bei mir. Beim Cover habe ich mit dem wunderbaren Designer Kai Sarnes zusammengearbeitet, für uns beide ein erstes Mal im Bereich Titeldesign.

Aber wie entsteht ein Buchcover? Es beginnt mit einem Briefing, also einer Zusammenstellung dessen, was ich mir vorstelle und was das Buch ausmacht. Im Folgenden habe ich ein paar Elemente meines ursprünglichen Cover-Briefings für Kai zusammengeschrieben.

Cover-Briefing

Genre: Fantasy, Historisch, Liebesgeschichte, Coming of Age Story, Erlösungsgeschichte, Weihnachtsgeschichte
Haupt-Storyline: die Handlung im 16. Jahrhundert rund um den jungen Knecht Rupp
Neben-Storyline: Sophies Geschichte im Heute, in der sie den alten Ruprecht pflegt

Hauptfiguren und Bildelemente

  • Knecht Ruprecht (ein Hüne mit Footballer-Statur mit schwarzen Haaren und schwarzen Augen, schwarzes Hemd. Sein Attribut: der Leinensack)
  • Perchta (weißblondes Birkenhaar, grüne Augen, scharfe Züge, groß, schlank, königlich, zeitlos, stolz. Kleider: samtiger Umhang mit Kapuze, Ledermantel. Rabenfrau. Herrin der Wilden Jagd und der Rauhnächte)
  • Krampus (Widderhörner) 
  • Winter – Schnee, Eiskristalle, Raureif
  • Wald (Tann, Birkenstämme, Hütte)

Atmosphärisches

  • winterlich
  • mystisch
  • zauberhaft
  • Hoffnung gebend
  • zeitlos
  • Schönheit
  • Klarheit

Schlüsselszenen 

  • Der alte Knecht Ruprecht, der aus dem Wald kommt und sich dem einsamen Bauernhof nähert
  • Rupp, wie er auf der Lichtung zum ersten Mal Krampus und Perchta sieht
  • Perchta, wie sie auf Sophie und den alten Ruprecht zukommt
  • Das Bauernhaus auf der Lichtung, wenn die Magie wirkt.

Was letztlich daraus entstand, seht Ihr selbst … Ich finde es jedenfalls wunderschön.

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Die Rauhnächte

“Die Rauhnächte: dämonenreicher Zauber des Mittwinters. Zwölf Nächte außerhalb der Zeit, in denen die Grenzen zu anderen Welten fallen, Geister an Türen klopfen. Die Zeit der Wilden Jagd.
Hütet euch. Denn die Dämonen lauern in uns.”

»Das Erbe der Rauhnacht« spielt in den Rauhnächten – ein winterliches, schneeschimmerndes Setting voller alter Bräuche, Zauber und legendenhafter Sagenfiguren. Die Rauhnächte stehen für den Übergang in das neue Jahr. Es ist eine Zeit, um in die Stille zu gehen, um Rückschau zu halten wie Vorschau, aber auch um zu feiern und uns bei Familien und Freunden zu bedanken (gerne mit Geschenken :-)).

Doch wo haben die Zwölften, wie die Rauhnächte auch genannt werden, eigentlich ihren Ursprung?

Ursprung der Rauhnacht

Die Rauhnächte beschreiben die letzten Tage des ausgehenden Jahres. Ihr Ursprung geht auf eine alte Zeitrechnung nach dem Mondkalender zurück: Ein Jahr aus zwölf „Monaten” in Mondphasen umfasst 354 Tage, da der Mondmonat kürzer ist als der kalendarische. Zu dem Sonnenjahr mit 365 Tagen fehlen daher zwölf Nächte. Diese stehen „außerhalb der Zeit“. Nach alter Überlieferung werden hier die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt, die Grenzen zu anderen Welten fallen. Die Seelen der Toten können die diesseitige Welt erreichen, das Geisterreich steht offen. Deshalb ergriffen die Menschen früher Schutzmaßnahmen gegen dämonische Mächte und Unholde, die in dieser Zeit die Welt heimsuchten. Dazu zählt insbesondere die Wilde Jagd.

Der Zeitraum der Rauhnächte wird heutzutage oft angegeben vom 25. Dezember bis zum 6. Januar (Epiphanie/Heilige Drei Könige). Ursprünglich begann die Zeit wohl eher am 21. Dezember, dem Thomastag zur Wintersonnenwende (wenn die Tage wieder länger werden).
Am Ende der Rauhnächte zogen sich nach alter Überlieferung die dämonischen Kräfte zurück, und auch die Wilde Jagd begibt sich zur Ruhe.

Rituale und Magie

In den Rauhnächten soll man Tiere reden hören können. In manchen Orten werden Glocken geläutet, um Geister fernzuhalten. Träume, die man in diesen Nächten hat, sollen in Erfüllung gehen, es wird orakelt, und um Mitternacht soll man seinen zukünftigen Partner an einer Wegkreuzung sehen können. Man soll Geliehenes zurückgeben, Ordnung halten, räuchern, keine Wäsche draußen aufhängen, die Natur mit kleinen Speisegeschenken ehren.

Insbesondere das Gebot, in diesen Tagen keine Wäsche zu waschen oder draußen aufzuhängen, ist heutzutage noch weitläufig bekannt. Wer sich nicht sicher ist, frage seine Eltern oder Großeltern danach!

Im Roman »Das Erbe der Rauhnacht« greife ich diese Überlieferungen auf und spanne mit ihnen den Bogen ins Heute. Die Rauhnächte liefern hierbei einen atmosphärisch dichten Romanhintergrund, dessen Geheimnisse und Zauber uns auch heute noch fasziniert.

Nikolaus & Gefährten – von Legenden zum Roman

Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine Zeit voller Bilder: Wir denken an Tannen und Schnee, an Sankt Nikolaus mit Bart und Bischofshut, den düsteren Knecht Ruprecht, Krampus, Pelznickel, Schmutzli oder wie diese düsteren Figuren, die Nikolaus begleiten oder an seiner Statt kommen, auch überall heißen mögen.

Der Heilige Nikolaus & die Reformation

Vorbild für den Nikolaus ist der Heilige Nikolaus von Myra. Krummstab und Mitra erinnern an den Bischof aus dem 4. Jahrhundert. Der Heilige Nikolaus war der Patron der Schiffer und Schüler. Sogar das nächtliche Auffüllen von Stiefeln oder Socken basiert auf einer Legende über den Heiligen Nikolaus von Myra, der nachts drei junge Mädchen mit Gold beschenkte, um sie vor Schlimmen zu bewahren.

Im 16. Jahrhundert, als Martin Luther lebte und der Roman »Das Erbe der Rauhnacht« spielt, wurde die Bescherung noch am Tag des Heiligen Nikolaus, also am 6. Dezember bzw. seinem Vorabend, gefeiert. Die Reformation forderte jedoch ein Ende der Heiligenverehrung – der auch der Heilige Nikolaus zum Opfer fiel. So wurde im Laufe der Zeit der Bescherungstag auf Weihnachten verlegt, und der Gabenbringer wurde das Christkind bzw. der Weihnachtsmann.

In einigen, vor allem protestantischen Regionen hat der Knecht Ruprecht den Nikolaus als Gabenbringer komplett verdrängt.

Knecht Ruprecht, Krampus & Co

Knecht Ruprecht ist dunkel gewandet, bärtig, ein wilder Gesell mit Sack, Rute oder Wanderstock. Seinen Ursprung müssen wir wohl in der Tradition der Perchten suchen.  Auch die Namensähnlichkeit mit Perchta sowie dass beide Figuren strafen und belohnen, weist auf eine Verbindung hin. Zum ersten Mal erwähnen schriftliche Quellen die Figur des Knecht Ruprechts als Begleiter Nikolaus beim Einkehrbrauch Ende des 16. Jahrhunderts.

In anderen Regionen wurden die düsteren Gesellen, die Nikolaus begleiten oder an seiner Statt kommen, unterschiedlich genannt, und sie tragen auch unterschiedliche Merkmale. Südbayern kennt z.B. den Krampus, die Deutschschweiz den Schmutzli.

Der 5. und 6. Dezember – Einkehrbrauch & Krampuslauf

Im Roman ziehen Nikolo und sein Knecht am 6. Dezember los, um den Menschen den Einkehrbrauch zu halten. Früher war dabei übrigens tatsächlich die Frage üblich, ob die Kinder denn ihre Gebete kennen.

In manchen Gebieten kommt der Nikolaus am Vorabend des 6. Dezember, also am 5. Dezember, was im Übrigen auch heute der übliche Krampustag ist. Manche Krampusse laufen aber auch erst am 6. Dezember. Überhaupt sehen wir bei all diesen Begleitern von Nikolaus und den Sagengestalten des Advents und der Rauhnächte regionale Unterschiede.

Sankt Nikolaus und Knecht Ruprecht: Von der Legende zum Roman

Ein Sack mit Geschenken und natürlich die Rute sind die Merkmale, mit denen wir groß geworden sind. Dazu kommen geflügelte Worte wie der Beginn von Theodor Storms berühmten Gedicht »Knecht Ruprecht«: Von drauß vom Walde komm ich her …

Solche Elemente im Roman unterzubringen (Theodor Storm inspirierte quasi den ersten Satz) hat mir großes Vergnügen bereitet, aber der Kamin, durch den der Weihnachtsmann traditionell kommt, war eine Herausforderung. Nun ist der Weihnachtsmann zwar nicht dem Sankt Nikolaus gleichzusetzen, außerdem ist er ein Kind der Reformationszeit, als die Protestanten die Heiligenverehrung ablehnten und in deren Folge der Bescherungstag, der vorher der Nikolaustag war, auf Weihnachten verlegt wurde. Aber ich wollte gerne auch noch eine mögliche Erklärung für die Kaminlegende liefern. Wenn ihr wissen wollt, was ich mir da ausgetüftelt habe, müsst ihr wohl den Roman lesen …